Kapitel I
SEK‒Mythos…
Medien berichten gern spektakulär. Das SEK Berlin wurde über die Jahre zur Projektionsfläche: „Deutschlands härteste Männer", „Elite-Einheit für die Nacht".
Mit der Realität hatte das wenig zu tun. Der Alltag war selten so, wie ihn die Schlagzeilen zeichneten und gefährlich war er fast immer.
Zuerst mit Farbe
überschüttet
Neben ihm ein brennender Kollege, getroffen von einem Molotow-Cocktail. Gelöscht in einer Pfütze.
Von Gehwegplatten getroffen, die vom Dach geworfen wurden. Schwer verletzt.
...trifft Realität
Hinter jeder Schlagzeile steht ein Mensch. Mit Familie. Und mit der Frage, ob er am Abend nach Hause kommt.
Was Medien zeigten und was wirklich geschah.
Geiselnahmen, Zugriffe, eskalierende Demos, Festnahmen unter Lebensgefahr. Tage, an denen Beamte mit Farbe übergossen wurden und Tage, an denen Kollegen brannten. Lothar Ebert war 7 Jahre Teamführer im SEK und hat danach mehr als zehn Jahre lang das SEK vor Ort erfolgreich und verantwortlich geführt.
Mythos · Schlagzeilen
Wie über das SEK berichtet wurde.
„Die schärfsten Bullen der Nation."
Playboy
„Deutschlands Top-Polizisten."
Reader's Digest
„Elite-Einheit für die Nacht."
Boulevard-Berichterstattung
Realität · Aus dem Einsatz
Was Beamte wirklich erlebten.
1
Mit Farbe überschüttet bei Zugriff. Originalfoto im Archiv dokumentiert.
2
Durch Molotow-Cocktails brennend — neben Kollegen in einer Pfütze gelöscht.
3
Durch Gehwegplatten vom Dach getroffen. Schwerste Verletzungen.
4
Helmvisier mit Einschussloch. Beamter überlebt nicht.
Kapitel II
Stratege, Ausbilder, Vordenker.
Lothar Ebert war 36 Jahre im Polizeidienst, davon mehr als zwei Jahrzehnte beim Spezialeinsatzkommando Berlin.
Von 1982 bis 1994 leitete er die Einheit.
In dieser Verfilmung sieht man Lothar Ebert vor Ort bei einer akuten Geiselnahme.
Mit klarer Stimme und ruhiger Hand weist er sein Team an: „Zwei Mann aufs Dach, einer Funkwagen.“
Führung mit Methode.
Lothar Ebert spricht nicht aus der Distanz über Hochrisiko. Über Jahrzehnte führte er Einsätze, in denen Sekunden entschieden: bewaffnete Festnahmen, Geisellagen und Zugriffe unter akuter Lebensgefahr. Unter seiner Leitung wurden mehrere hundert Festnahmen bewaffneter Krimineller, Geiselnehmer und Terroristen ohne Todesopfer durchgeführt. Für zahlreiche erfolgreiche Spezialeinsätze und einsatzbezogene Verbesserungsvorschläge wurde er vielfach belobigt.
Gerade deshalb haben seine Worte über Polizistinnen und Polizisten im Streifendienst besonderes Gewicht. Wer selbst beschossen wurde, wer selbst schießen musste und dennoch Gewalt immer als letztes Mittel verstand, spricht nicht aus Theorie – sondern aus Erfahrung.
Beschossen, geschossen, Schusswaffeneinsätze verantwortet.
Lothar Ebert, 7 Jahre Teamführer, mehr als 10 Jahre Leiter SEK-Berlin Hunderte Festnahmen bewaffneter Gewalttäter und mehrfach belobigt für vielfältige erfolgreiche Hochrisikoeinsätze.
Leistung ist nur die halbe Wahrheit.
Eine Leistungsschau ist das eine. Was im Ernstfall daraus wird, das andere. Genau hier lag für Lothar Ebert der Unterschied des Berliner SEK. Seine Männer haben nicht nur vorgeführt, was sie konnten. Sie haben es in tausenden realen Einsätzen unter Beweis gestellt, oft unter Lebensgefahr. Das ist der Maßstab, an dem sich eine Spezialeinheit messen lassen muss.
„Hinter jedem Erfolg steht menschliches Handeln. Diese Männer bringen täglich aufs Neue ihre Gesundheit und ihr Leben ein, für andere, in einer Zeit zunehmender Gewalt."
Bei Vorführungen wie dieser zerschlugen SEK-Beamte Ziegelsteine mit bloßer Hand. Solche Demonstrationen zeigen, wozu jahrelanges Training befähigt. Für Lothar Ebert waren sie aber nie der eigentliche Punkt.
Würdigung eines Lebenswerks.
Im Oktober 2024 würdigte die Berliner Innenverwaltung in einer feierlichen Veranstaltung das jahrzehntelange Engagement von Lothar Ebert. Über viele Jahre hat er das Spezialeinsatzkommando Berlin geprägt, mit klarer Linie und seinem Prinzip „List statt Gewalt".
Die Staatssekretärin, im Auftrag der Innensenatorin, hob in ihrer Rede die besondere Führungsleistung Eberts hervor, ebenso seine Rolle bei der Entwicklung taktischer Innovationen und seine Verdienste um die Eigensicherung und Ausbildung von Beamten weit über Berlin hinaus. Die Auszeichnung steht weniger für das Ende einer Laufbahn als für das, was von ihr bleibt: ein Einfluss, der die moderne Polizeiarbeit in Deutschland bis heute mitprägt.
Kapitel III
Einige brisante Einsätze von Lothar Ebert
mit besonderen Würdigungen
Eine Auswahl aus Jahrzehnten dokumentierter Polizeiarbeit. Jeder dieser Einsätze ist durch Pressebelege, Originaldokumente oder Verfilmungen abgesichert.
Fall 1 - Festnahme
Live-Festnahme eines bewaffneten
Spezialbeamten auf frischer Tat
Festnahme eines bewaffneten Spezialbeamten auf frischer Tat, der in Drogengeschäfte verwickelt war. Die Brisanz lag in der Tatsache, dass er uns kannte und dennoch beweissicher überrumpelt werden konnte. Der Mann hatte zwei tödliche Überraschungen vorbereitet. Trotzdem kam keine davon zum Einsatz, weil der Zugriff präzise saß.
Beleg: Pressebericht, Originaldokument der Festnahme.
Fall 2 - Festnahme
Warnschuss auf flüchtenden
Pistolenschützen
Wochen vor dem späteren BVG-Bus-Einsatz war derselbe Täter bereits im Bäkepark in Berlin-Steglitz aufgefallen. Nach Lothar Eberts Schilderung bedrohte der Mann Einsatzkräfte mit einer Pistole. Ebert gab einen Warnschuss ab – trotz dieses Warnschusses gelang dem Täter die Flucht.
Erst später wurde deutlich, wie gefährlich diese Lage bereits gewesen war. Der Mann tauchte erneut auf und es kam zu einem folgenschweren Einsatz in einem BVG-Bus. Beim Festnahmeversuch schoss er sofort auf das SEK-Team. Dieses ging blitzschnell außerhalb des Busses in Deckung. Wie sollte auf Gewalt reagiert werden ohne zu töten? Ergebnis – dramatisches Ende…
Beleg: Pressebericht, Originaldokument der Festnahme.
Fall 3 - Geiselnahme
Eine Stunde in den Lauf geschaut.
Ein bewaffneter Mann, psychisch instabil, suizidal. Die Waffe mehrfach auf die eingesetzten Beamten gerichtet, schließlich auf Lothar Ebert. In Sekundenbruchteilen schlug er dem Mann die Pistole aus der Hand. Kein Schuss löste sich. Tage später lud der Mann das Einsatzteam zum Essen ein und schickte einen handgeschriebenen Dank.
Beleg: Berliner Morgenpost, Zeitzeugenaussagen, Originaldankschreiben.
Fall 4 - Pressenotiz
Bewaffneter Ex-Fremdenlegionär vor Tötungsabsicht mit Familie gerettet.
Zitat aus Anerkennungsschreiben:
„Zwei Beamte betraten unbewaffnet, als Ärzte verkleidet, die Wohnung und beruhigten Herrn Eichert, der ständig eine Pistole in der Hand hatte, in einem auf seine Person abgestimmten Gespräch. […] Während der gesamte Gesprächsdauer waren die Beamten erheblich gefährdet, da das Verhalten des Herrn Eichert nicht zu berechnen war und Ausweichmöglichkeiten für die SEK-Beamten nicht bestanden.“
Beleg: Pressebericht, Originaldokument der Festnahme.
Fall 5 - Verkleidung
Elf Leben auf Messers Schneide.
Elf Menschen standen kurz davor, sich das Leben zu nehmen. Ein klassischer Zugriff hätte die Lage versch ärft, möglicherweise mit fatalen Folgen. Das SEK Berlin entschied sich für einen anderen Weg. Lothar Ebert und weitere Beamte traten als angeforderte „Politiker" auf, mit denen die Gruppe sprechen wollte. In dem Moment, in dem sich die Lage öffnete, erfolgte der Zugriff. Alle elf Personen überlebten.
Beleg: Klaus Hübner, „Einsatz – Erinnerungen des Berliner Polizeipräsidenten" (Verlag Jaron). Pressedokumentation.
L. Ebert K. Scheel N. S.
Als angeforderte „Politiker“ verkleidet!
Durch besondere Ablenkungen und gezielte Blitzaktionen
wurden die Selbsttötungsversuche verhindert.
Fall 6 - Verletzung im Einsatz
Verletzt im Einsatz, ausgezeichnet für Besonnenheit.
In der Nacht vom 1. zum 2. Mai 1987 eskalierten die Mai-Demonstrationen in Berlin-Kreuzberg zu massiven Krawallen. Brennende Autos, geplünderte Geschäfte, Steinhagel auf Einsatzkräfte. Von den 55 eingesetzten SEK-Beamten wurden in dieser Nacht 50 verletzt.
Lothar Ebert geriet selbst in eine besonders gefährliche Lage. Während er aus nächster Nähe in den Lauf einer Pistole sah, ging es um die Frage, ob die Waffe geladen war und ob er die eigene ziehen sollte. Er entschied sich gegen den Schuss. Sekunden später wurde er von einem Wurfgeschoss schwer am rechten Schienbein getroffen.
Der Polizeipräsident in Berlin würdigte sein Verhalten wenige Wochen später in einem persönlichen Dankschreiben. Trotz erheblicher eigener Verletzungen habe Ebert „beispielhaft besonnen" auf Angriffe gegen sein Leben und seine Gesundheit reagiert.
Beleg: Pressebericht (Mai 1987) und Dankschreiben des Berliner Polizeipräsidenten vom 3. Juli 1987.
Kapitel IV
Mein Rückblick. Im Gespräch zum SEK‒Jubiläum.
Zum 50-jährigen Bestehen des SEK Berlin wurde Lothar Ebert ausführlich interviewt. Als ehemaliger Teamführer und langjähriger Leiter der Einheit spricht er über die Anfangsjahre und über prägende Einsätze.
Nachhaltig bleibende Erinnerungen sind durch Mollis brennender Kollege, ein im Einsatz erschossener Kamerad, verantwortungsvolle Schusswaffeneinsätze ... Daneben aber auch Drama und Peinlichkeit bei Festnahmen von Spezialbeamten. Tragisch die Selbstötung mit Schusswaffe seiner besonders befreundeten Kollegen - einer davon mit Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Spektakulärer Zugriff per Dachsprung
Ein bewaffneter Täter, verschanzt in einem Mehrfamilienhaus. Klassische Zugriffswege fielen aus, weil sie ihn gewarnt hätten. Also kam der Zugriff von oben: Ein SEK-Beamter seilte sich auf das Dach ab und sprang im entscheidenden Moment durch das Fenster, bevor der Täter reagieren konnte.
Eine Aktion, die nur funktioniert, wenn jeder Handgriff sitzt und das Timing auf die Sekunde stimmt.
Kapitel V
Vielfach beschossen.
Nicht zurückgeschossen.
Todesschuss von Clanmitglied
Erschossen
Einsatz in Wohnung
Erschossen –
Täter überwältigt!
Was diese Fälle zeigen
Diese Fälle stehen für eine Realität, die in der öffentlichen Wahrnehmung oft nur als Schlagzeile erscheint. Es sind Sekunden, in denen ein Einsatz kippt. Ein Täter eröffnet das Feuer. Ein Beamter wird getroffen. Was geplant war, gilt plötzlich nicht mehr.
Für Lothar Ebert war daraus nie die einfache Schlussfolgerung, härter zu reagieren. Entscheidend war, aus solchen Lagen zu lernen. Bessere Vorbereitung, bessere Ausrüstung, eine klarere Taktik. Vor allem aber die Fähigkeit, auch nach Beschuss nicht automatisch mit tödlicher Gewalt zu antworten.
Der Unterschied liegt oft in wenigen Sekunden. Und in der Frage, ob Erfahrung stärker ist als der Reflex.
„Beschossen zu werden heißt nicht automatisch, zurückzuschießen. Die Frage ist, ob es in diesem Moment noch eine andere Möglichkeit gibt. Für die Beamten, für Unbeteiligte und manchmal sogar für den Täter selbst."
Kapitel VI
Gedenken an Roland Krüger
Am 23. April verlor das SEK Berlin einen seiner Männer.
SEK-Kommissar Roland Krüger wurde bei einem Einsatz gegen einen bewaffneten Täter kaltblütig erschossen. Ein weiterer Beamter überlebte schwer verletzt – zwei Kugeln trafen ihn lebensgefährlich. Trotz der angespannten Lage gelang es den eingesetzten Kräften, den Täter zu überwältigen und Schlimmeres zu verhindern.
Der Verlust bleibt dennoch schmerzlich.
Roland Krüger war Kollege, Kamerad – und ist bis heute unvergessen.
Was bleibt.
Der Tod eines Kollegen verändert eine Einheit. Er verändert die Männer, die ihn kannten, und er verändert die Art, wie über Einsätze gesprochen wird. Lothar Ebert hat den Verlust von Roland Krüger nie als abgeschlossen betrachtet. Die folgenden Aufnahmen zeigen, wie das SEK Berlin und seine Familie Abschied genommen haben.
Kapitel VII
Schusswaffenvermeidungstraining.
Das SEK Berlin entwickelte bereits vor Jahrzehnten ein revolutionäres Trainingskonzept zur Vermeidung von Schusswaffengebrauch. Trainiert wurde mit sogenannter Filzmunition, die mit Farbe getränkt war. Damit ließen sich gefährliche Einsatzsituationen realitätsnah simulieren, ohne dass jemand zu Schaden kam.
Es ging um die Frage, wie man blitzschnell lebensgefährliche Bedrohungslagen erkennt, bewertet und verantwortungsvoll entschärft. Die Erkenntnisse aus dem Training wurden in tausenden realen Einsätzen des Berliner SEK umgesetzt. Das SEK-Berlin begann mit umfangreicher Beschulung der Berliner Polizeibeamten einschließlich der Ausbilder.
Entwickelt wurde es unter Lothar Ebert, der das SEK Berlin damals führte.
Zitat einer auszeichnung
Kommentare zu Polizeischüssen.
Viele Meinungen, ohne Einsatzerfahrung! – Fehltreffer!
Wenn nach Polizeieinsätzen mit Schusswaffengebrauch öffentlich diskutiert wird, melden sich häufig Stimmen, die mit der Realität solcher Lagen wenig vertraut sind.
Das Berliner SEK hat sein Schusswaffenvermeidungstraining bereits vor Jahrzehnten eingeführt und in tausenden Einsätzen angewendet. Aus der Praxis weiß Lothar Ebert: Zwischen Schusswaffeneinsatz und Taser gibt es Taktiken und Techniken, die in der öffentlichen Debatte selten vorkommen, aber im Einsatz oft den entscheidenden Unterschied machen.
List statt Gewalt. Der Zugriff vor dem BMW.
Ein hochgefährlicher Täter, der kurz zuvor einen Polizisten erschossen hatte. Eine Festnahme mit Sturmgewehr und Rammbock wäre möglich gewesen, aber riskant. Nicht nur für die Beamten, sondern auch für Anwohner und unbeteiligte Dritte.
Lothar Ebert entschied sich für einen anderen Weg. Statt einer offenen Konfrontation kam eine verzweifelte Frau an die Tür. Was wie ein zufälliger Moment aussah, war ein präzise vorbereiteter Zugriff. Der Täter wurde überwältigt, bevor er begriff, was passierte. Kein Schuss fiel.
Verantwortungslose Expertentipps. Ein Beispiel von vielen.
Aus der Öffentlichkeit kommen immer wieder Vorschläge, wie die Polizei mit gefährlichen Tätern umgehen sollte. Von einem Polizeiprofessor wurden zuletzt Netze und Distanzstöcke als Lösung gegen Messerangriffe empfohlen.
Das Berliner SEK hat solche Mittel bereits vor vierzig Jahren im Rahmen des Schusswaffenvermeidungstrainings auf ihre Wirksamkeit getestet. Das Ergebnis war eindeutig: Wer einen Messertäter mit einem Distanzstock zu stoppen versucht, gibt ihm in den meisten Fällen genug Zeit und Bewegungsspielraum für eine tödliche Gegenaktion.
Die Realität ist schneller als jede Theorie.
Ein Messerangriff dauert keine Minuten. Er dauert Sekunden. Wer aus Distanz mit einem Stock arbeitet, hat den entscheidenden Moment bereits verloren, bevor er ihn überhaupt wahrnimmt. Genau diese Erfahrung haben Lothar Ebert und seine Männer in zahlreichen Trainings und realen Einsätzen gemacht. Was am Schreibtisch logisch wirkt, scheitert auf der Straße an einer einzigen Variable: dem Tempo des Angreifers.
Was tatsächlich funktioniert.
Bei einem Messertäter geht es darum, ihn sofort zu stoppen, bevor er weiter handeln kann. In Solingen reichte einem Angreifer eine Minute, um drei Menschen zu töten und acht weitere lebensgefährlich zu verletzen. Eine Sekunde mehr ist nicht akzeptabel. Es gibt wirksamere Taktiken. Sie werden bei der Polizei praktisch eingesetzt, kommen in der öffentlichen Debatte aber kaum vor.
Zugriff im Postboten-Gewand
Der Tatverdächtige hatte seine Wohnung seit Wochen nicht mehr verlassen. Eine offene Festnahme war kaum möglich, ohne ihn zu warnen oder eine Schießerei zu riskieren.
Das SEK Berlin entschied sich für einen unauffälligen Weg. Ein Beamter verkleidete sich als Postbote, in der Hand ein Paket, darunter eine verdeckt geführte Waffe. Als der Mann wie erwartet die Tür öffnete, war der Zugriff bereits abgeschlossen, bevor er reagieren konnte.
Manchmal beginnt eine Festnahme mit einer Unterschrift.
Kapitel VIII
Ein dunkler Helmbezug. Bundesweit übernommen.
Im Einsatz kann jedes Detail über Leben oder Tod entscheiden. Auch Dinge, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken, etwa die Farbe eines Helms. Weiße Einsatzhelme leuchten bei Dunkelheit und machen Beamte für Täter sichtbar, lange bevor diese erkannt werden können.
Lothar Ebert ließ deshalb dunkle Helmbezüge entwickeln, die genau dieses Problem lösen sollten. Die Idee war einfach, ihre Wirkung erheblich. Das Risiko, in der Dunkelheit zum Ziel zu werden, sank deutlich. Für diesen Vorschlag wurde Ebert ausgezeichnet, und die Helmbezüge wurden in der Folge bundesweit eingeführt.
SEK - Leiter lothar ebert
Mit Megaphon an der Front
Das Bild zeigt Lothar Ebert bei einer Demo in Berlin, mit dem Megaphon vor mehreren Hundertschaften des SEK. Die Lage eskalierte an diesem Tag, die Demonstration endete gewalttätig.
In den ersten Jahren seiner Zeit beim SEK stand Ebert oft selbst mitten auf der Straße. Gewalt gegen Polizisten hat er nicht aus Akten gekannt, sondern aus direkter Erfahrung, und er trug die Verantwortung für die Männer, die mit ihm dort standen.
Was nach
Gladbeck
blieb.
1. Der Anlass
Das Geiseldrama von Gladbeck im August 1988 hat sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. Über 54 Stunden flohen zwei bewaffnete Täter mit Geiseln quer durch Deutschland und die Niederlande, gefolgt von Medien, die teilweise näher an den Tätern standen als die Polizei.
Drei Menschen verloren ihr Leben. Der Fall hat gezeigt, wie entscheidend Distanz, Technik und Lagekontrolle in einer Geiselsituation sind.
2. Die Antwort
In den Kameras von Pressevertretern war eine Waffe verborgen.
3. Was bleibt
Die Technik wurde nie aktiv eingesetzt. Aber sie stand bereit.
Bis heute wird die damals entwickelte Lösung von einer ausländischen Spezialeinheit vorgehalten. In abgewandelter Form könnte sie bei einer Vielzahl von Geiselnahmen zur Anwendung kommen.
Ein Jahr auf der Spur. Sekunden entscheiden.
Ein Jahr lang wurde nach einem Kriminellen gefahndet, der als äußerst gefährlich galt. Er trug ständig eine Waffe bei sich und hatte sie in der Vergangenheit bereits eingesetzt. Bewegungen, Aufenthaltsorte, Gewohnheiten. Alles war für die Ermittler nur in Bruchstücken greifbar.
Im Lauf der Ermittlungen erfuhr das SEK Berlin, dass er gelegentlich versuchte, sein Kind zu sehen, und sich dabei mit seiner Ex-Frau in einem Park traf. Daraus entwickelte sich ein minutiös geplanter Zugriff im Grünen. Der Täter war in Sichtweite, das Umfeld unter Kontrolle.
Dann veränderte eine kleine Fahrlässigkeit alles.
Kapitel IX
Entwaffnet im Bruchteil einer Sekunde
Einer der Einsätze, an die sich Lothar Ebert bis heute erinnert, führte ihn zu einem hochgradig gefährdeten Prokuristen. Der Mann galt als psychisch instabil und stand unter massivem Druck. Beim Eintreffen der Einheit war er mit einem Revolver bewaffnet und zeigte erste suizidale Tendenzen.
Während der Verhandlung richtete er die Waffe mehrfach auf die Beamten, schließlich auf Lothar Ebert selbst.
„Ich hatte nur eine Sorge. Dass eine Patrone im Lauf war. Ich schaute direkt in den Lauf."
Ebert schlug dem Mann die Waffe aus der Hand, bevor sich ein Schuss lösen konnte. Niemand wurde verletzt. Einige Tage später lud der Mann das gesamte Einsatzteam zu sich nach Hause ein, zum Essen, mit einem handgeschriebenen Dankesschreiben.
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